Wasserschäden durch defekte Fugen an Duschen und Badewannen

Unwissenheit oder extreme Sparsamkeit?

Wieder einmal ein Telefonanruf: „Wir haben einen Leitungswasserschaden! Unsere Decke ist feucht!“ Die Erwartungshaltung des betroffenen Bewohners ist oft, dass nun sofort, möglichst innerhalb der nächsten 15 Minuten, ein Fachunternehmen mit dem geeigneten Personal eintrifft und den Schaden beseitigt.

Umgehende Schadensmeldung an die Versicherung

Es muss aber erst einmal die Versicherung informiert werden, damit die Versicherung entscheiden kann, welche Schritte eingeleitet werden. Da Wasserschäden häufig erst nach Dienstschluss der Versicherung entdeckt werden, kann auch die Schadensmeldung erst am nächsten Tag erfolgen. Die Versicherungen reagieren üblicherweise sehr zügig, trotzdem kann frühestens am nächsten Mittag ein Auftrag an Handwerksunternehmen erteilt werden. Wenn die Ursache nicht einwandfrei erkennbar oder offensichtlich ist, wird zunächst ein Leckortungsunternehmen oder ein Sachverständiger mit der Ursachenforschung beauftragt.
Diese beiden Berufsgruppen sind derzeit so hoch belastet, dass es schon mal ein bis zwei Tage dauern kann, bis ein Termin vereinbart ist. Außerdem ist auch der Bewohner meist berufstätig und hat keine Zeit oder Lust, den ganzen Tag ohne Terminvereinbarung auf Handwerker zu warten.

Feuchtigskeitsschäden meist durch defekte Fugen

Die häufigste Ursache für Feuchtigkeitsschäden sind zurzeit aber keine Schäden an dem Leitungswasser- oder dem Heizungsrohrsystem, sondern „bestimmungswidrig ausgetretenes Leitungswasser“ aus Fugen.
Grundsätzlich sind solche Fugen nichts anderes, als der Versuch, einen beabsichtigten und/oder toleranzbedingten Raum zwischen Bauteilen zu schließen. Das Abdichten ist dann das Verschließen der Fuge. Dies kann mit Bewegung ausgleichenden Dichtstoffen (üblicherweise Silikon) oder Dichtungsbändern oder Dichtungsfolien erfolgen.
Derartige Fugen gelten als Wartungsfugen. Das heißt sie bedürfen regelmäßiger Überprüfung und Wartung, weil sie starken chemischen und/oder physikalischen Einflüssen ausgesetzt sind. Ihre Dichtstoffe müssen in regelmäßigen Zeitabständen überprüft und gegebenenfalls erneuert werden (DIN 52460 und VOB DIN 1961 § 4, Abs. 3). Dazu gehören auch Fugenabrisse aufgrund von Estrichverschlüsselungen, und übermäßiger Beanspruchung oder Veränderungen durch andere äußere Einwirkungen, die die zulässige Gesamtverformung des Dichtstoffs überfordern.
Permanente chemische Beanspruchung (Duschgel, Reinigungsmittel), Schmutzablagerung sowie ständige mechanische Beanspruchung (Reinigung, Begehung der Dusche) fördern zusätzlich die Korrosion des Dichtstoffes.

Wasserschäden bleiben oft lange unentdeckt

Ein ungeschultes Auge kann Schäden an den Silikonfugen nicht erkennen, selbst wenn beim Duschen jede Menge Wasser zwischen Bade- oder Duschwanne und Wand läuft. Bis das Wasser in der Nachbarwohnung an der Wand oder der Decke sichtbar wird, vergeht häufig sehr viel Zeit. Dies führt dazu, dass diese Bauteile vollständig durchnässt sind. Vergleichbar ist das mit einem Schwamm: Geringe Feuchtigkeit saugt der Schwamm auf und gibt sie im Laufe der Zeit ab. Erst wenn der Schwamm komplett vollgesogen ist, tropft das Wasser heraus. Genauso kann man sich das bei einem Gebäude vorstellen.

Und nun kommt die Versicherung ins Spiel: Üblicherweise sind Gebäude gegen Leitungswasserschäden, also Schäden und Folgeschäden durch bestimmungswidrig ausgetretenes Leitungswasser versichert. Das bedeutet, dass - zumindest nach den meisten Versicherungsverträgen - die Beseitigung von Folgeschäden in der Deckung enthalten ist. Die Suche nach und die Beseitigung der Ursache sind regelmäßig nur dann versichert, wenn wirklich eine Leitung „gebrochen“ oder undicht geworden ist. Das heißt, dass die Beseitigung der Ursache durch Erneuerung der Silikonfugen nicht über die Versicherung abgedeckt ist. Bei einigen Versicherungsgesellschaften wird auch die Trocknung, die im Normalfall zwingend erforderlich ist, nicht mehr bezahlt.
Außerdem ist in fast allen Versicherungsbedingungen vereinbart, dass im Falle von bedingungsgemäßen Schäden eine Kündigung von beiden Seiten, also vom Versicherungsnehmer (Hauseigentümer) oder der Versicherung erfolgen kann. Oftmals ist der erste Schritt allerdings nicht die Kündigung des Versicherers, sondern eine empfindliche Prämienanpassung oder eine derart hohe Selbstbeteiligung, dass es sich kaum noch lohnt, Leitungswasserschäden überhaupt zu melden.

Unachtsamkeit kann Prämienerhöhung zur Folge haben

Insbesondere bei Wohnungseigentümergemeinschaften wird es besonders ärgerlich, wenn durch Unachtsamkeit, Unwissenheit oder Vergesslichkeit alle anderen wegen einer Prämienerhöhung mehr zahlen müssen, nur weil einer oder ganz wenige ihre Verpflichtung zur ordnungsgemäßen Instandhaltung (dazu gehört auch die Wartung als vorbeugende Instandsetzung) nicht erfüllen.

Wie gesagt: Noch zahlen die meisten Versicherer, aber das könnte sich bald ändern!
Meine ganz klare Empfehlung an alle ist: Spätestens alle zwei bis drei Jahre - bei sehr hoher Belastung sogar jedes Jahr - alle Fugen, die mit Wasser in Berührung kommen, kontrollieren! Im Besonderen bei mechanischen Beschädigungen oder Rissen besteht Handlungsbedarf. Wer dies nicht selbst beurteilen kann, sollte einen Wartungsvertrag mit einem Fachunternehmen abschließen.


Peter Waßmann
www.peinemann-hausverwaltung-walsrode.de

Technik & Bau
nach oben
Kommentare
Kommentieren
Kommentar schreiben