Die Vergütungsverordnung für Immobilienverwalter – ergibt sie Sinn?

Fachverbände wie der BVI Bundesfachverband der Immobilienverwalter e.V. haben die Forderung nach einer Vergütungsverordnung für den Verwalterberuf in die politische Diskussion eingebracht. Gebührenordnungen gibt es für Juristen und für Notare. Auch Steuerberater und Ingenieure warten mit geregelten Vergütungsrichtlinien auf – und ein professioneller Verwalter ist in gewissem Sinne die Schnittmenge aus all diesen Berufsgruppen.

Auch die sachliche und zeitliche Gliederung der Ausbildung zur Immobilienkauffrau oder zum Immobilienkaufmann bestätigt dies überraschend klar. So findet man dort Ausbildungsinhalte zu Steuern und Versicherungen, zur Pflege des Immobilienbestands und zu den rechtlichen Grundlagen des Wohnungseigentums

 

Das Niveau der Ausbildungsinhalte ist sehr hoch gesteckt – die Parallele zu Berufsgruppen mit Vergütungsverordnungen offenbar.

Die Kritiker einer Vergütungsverordnung stellen durchaus berechtigt fest, dass mit einer solchen der Spielraum nach oben eingeschränkt wird. Starre Vergütungsstrukturen verringern die Möglichkeit einer angemessenen Vergütung bei schwierigen Objekten.

 

Transparente Sondervergütungsregelungen

Bei schwierigen Objekten muss jedoch auch eine Vergütungsordnung eine gewisse Flexibilität vorsehen, in dem sie eine Bandbreite notwendiger Sondervergütungen zulässt. Beispielhaft sei erwähnt: Produziert eine Eigentümergemeinschaft viele Mahnverfahren und Prozesse, muss der hierfür zusätzlich notwendige Aufwand ausreichend beim Verwalter honoriert wird. Gleiches gilt im Fall eines Sanierungsstaus. Für die Begleitung und Organisation umfangreicherer Sanierungsmaßnahmen gibt es mittlerweile viele sinnvolle Regelungen, wie dieser Aufwand beim Verwalter gedeckt werden kann. Transparente Sondervergütungsregelungen schaffen die Basis für eine Vergütungsordnung.

Von Transparenz profitieren auch die Verbraucher in hohem Maß. Leistung und Vergütung ihres Verwalter sind klar in einer Grundvergütung geregelt.

 

Damit käme es in der Folge zu einer unmittelbaren Qualifizierungssteigerung: Wenn die Gebühr fest geregelt ist, steht der Auswahl des Verwalters mit den höchsten Qualitätsmerkmalen und dem am breitesten gefächerten Serviceangebot nichts mehr im Wege. Erfolgreiche Verwaltungen werden in Aus- und Weiterbildung investieren und mit dem so gewonnen Fachpersonal digitale, innovative Prozesse und zusätzliche Servicleistungen anbieten können.

 

Automatische Erhöhung der Qualitätsstandards

Die Vergütungsverordnung mutiert zum Perpetuum Mobile - das Ziel des Gesetzgebers, einen höheren Qualitätsstandard in der Immobilienverwalterbranche zu erreichen, wäre schnell und flächendeckend erreicht, ganz ohne die missglückten Zulassungsvoraussetzungen. Für die Profiverwaltungen hat die Einführung einer Vergütungsverordnung den charmanten Nebeneffekt, dass das unwürdige Preisdumping verbunden mit basarähnlichen Zuständen zum Tagesordnungspunkt „Verwalterwahl“ auf Eigentümerversammlungen entfällt – die Gebühr ist klar geregelt. Dies käme auch der Effizienz und Veranstaltungsqualtität einer Eigentümerversammlung zu Gute.

 

Übrigens gibt es sie längst, die Vergütungsverordnung für Verwalter. In der Verordnung über wohnungswirtschaftliche Berechnungen nach dem zweiten Wohnungsbaugesetz (II. Berechnungsverordnung) ist unter § 26, Absatz 2 und 3 ist geregelt: Für die Verwaltung einer Wohnung inklusive Garage dürfen höchstens 260,00 Euro angesetzt werden. Zwar unterliegen diese Sätze einer Indexierung. Diese berücksichtigend, erhält man eine Bruttoverwaltergebühr von 321,75 Euro per anno für eine Wohnung inklusive Garage (Stand 01.01.2017). Traumhafte Gebührenaussichten, könnte man meinen.

Kostendeckend kann man damit jedoch nur größere Verwaltungseinheiten betreuen.

 

Martin Metzger

Vorstandsmitglied BVI e.V.

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